Thom Powers, Leiter des Internationalen Dokumentarfilmprogramms Toronto International Film Festival TIFF zu «More than Honey», 2013








«More than Honey» verfügt über alle eindeutigen Eigenschaften einer großartigen Naturdokumentation: Der Film setzt auf modernste Filmtechnologie, um Phänomenen auf den Grund zu gehen, die mit freiem Auge nicht zu erkennen sind. Er lässt uns staunend zurück, voller Ehrfurcht, gemischt mit einem Gefühl der Beunruhigung und der Dringlichkeit angesichts des Schicksals der Bienen dieser Welt. In den vergangenen Jahren haben sich einige Dokumentationen mit dem Bienensterben beschäftigt – es braucht also einen außergewöhnlichen Film, um hier herauszustechen. Eine Anforderung, der «More than Honey» mehr als gerecht wird. Der Oscar-nominierte Filmemacher Markus Imhoof berichtet als Enkel eines Schweizer Berufs-Imkers aus einer ganz persönlichen Perspektive. Er bereist von Europa ausgehend die ganze Welt, kommt bis in die USA, nach Australien und China, er filmt die monumentalen Kulturlandschaften, in denen Bienen ihre Arbeit verrichten, genauso wie die mikroskopisch kleinen Waben, in denen sie leben.

Auf dieser Reise treffen wir Imker, Wissenschaftler und landwirtschaftliche Unternehmer, die ihre Passion und ihr Wissen mit uns teilen. Es braucht schon eine ungewöhnliche Persönlichkeit, um sich den Bienen zuzuwenden – und auch die damit verbundenen Stiche in Kauf zu nehmen. Imhoof kennt ihre Marotten, ihren Humor und ihre Gefühlsregungen nur zu gut: «Ich komme mit dem Tod in dieser ungeheuren Größenordnung inzwischen schon ziemlich gut zurecht», sagt ein Imker, der einen neuen Fall von Bienensterben aufspürt. Trotz jahrelanger wissenschaftlicher Untersuchungen kann über die Ursache für das Bienensterben noch immer nur spekuliert werden. Sind Parasiten, Pilzbekämpfungsmittel, Antibiotika, Zuchtprobleme oder schier Arbeitsüberlastung die Ursache oder gar eine Kombination der genannten Probleme?
«More than Honey» unterscheidet sich durch seine internationale Perspektive: Imhoof zeichnet auf, wie sich die Bienenkrise in verschiedenen Teilen der Welt äußert. In den Vereinigten Staaten müssen sich Wissenschaftler mit einer wachsenden Population von sogenannten «Killerbienen» auseinandersetzen. In China greifen Bauern nun auf menschliche Arbeitskräfte zurück, um die Vegetation zu befruchten. Australien ist bis jetzt noch von den Honigbienen-gefährdenden Milben verschont geblieben.

Es geht mit Sicherheit um mehr als Honig. Ohne Bienen wird sich die moderne Gesellschaft radikal verändern, mache bezweifeln, dass sie ohne die Bienen überhaupt überleben wird können. Je weiter wir uns von der Natur entfernen, desto mehr Filme wie «More than Honey» brauchen wir.





– Thom Powers ist Leiter des Internationalen Dokumentarfilmprogramms am Toronto Film Festival
(Übersetzung: Julia Pühringer)










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